EkoZet

Acht Städte, eine Mission: Die Wärmewende im Rhein-Erft-Kreis

Die Energieversorgung der Zukunft ist dezentral. Doch das heißt nicht, dass nicht gemeinsam an einem Strang gezogen werden kann. Im Rhein-Erft-Kreis arbeiten acht Kommunen in Sachen Klimaschutz zusammen. Mit auf der Agenda: die Kommunale Wärmeplanung (KWP).

Wärme ist ein zentraler Bestandteil unseres Alltags. Sie wird überall gebraucht: in Kraftwerken, in der Industrie und zum Heizen, Kochen sowie Duschen. Auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität gilt es Lösungen für eine klimafreundliche, effiziente und bezahlbare Wärmeversorgung zu entwickeln. Der Bund hat dafür im Wärmeplanungsgesetz den rechtlichen Rahmen geschaffen. Demnach müssen Kommunen bis 2028 den eigenen Energiebedarf ermitteln und Strategien entwickeln, wie sie bis 2045 die Klimaneutralität erreichen wollen. Das wird individuell ausgearbeitet, doch in Sachen Information arbeiten die Gemeinden im Rhein-Erft-Kreis zusammen.

Den Grundstein dieser interkommunalen Klimakampagne legten die EnergieAgentur.NRW, dem Vorläufer der NRW.Energy4Climate, gemeinsam mit dem Energie-Kompetenz-Zentrum (EkoZet). „Die Idee war, eine Klimakampagne zu starten, dabei das Wissen der einzelnen Kommunen zu bündeln und sich auch die Kosten zu teilen“, erinnert sich EkoZet-Pressesprecherin Isabella Kohlhaas-Weber. Das war 2021, mitten in der Corona-Pandemie. Die angebotenen Workshops stießen auf großes Interesse, die Klimakampagne startete mit den Kommunen Kerpen, Pulheim, Frechen und Bedburg. „Wir haben uns zunächst auf eine gemeinsame Bildsprache für Vorlagen und Plakate geeinigt, damit Ideen schneller auf die Schiene gebracht werden können“, so Kohlhaas-Weber. 

Themen der Flyer, Broschüren sowie der durchgeführten Workshops waren Strategien zur Klimaanpassung, energetische Sanierung und Solarenergie. Mit den Informationen sollen die Bürgerinnen und Bürgern beim Thema Klimaschutz mit ins Boot geholt werden. Der Slogan „Jetzt machen wir“ ist Programm und gleichzeitig auch die Adresse der Website, auf der alle Informationen online abrufbar sind: www.jetztmachenwir.de. Und inzwischen beteiligen sich auch die Kommunen Bergheim, Elsdorf, Erftstadt und Wesseling an der Klimakampagne.

Wärmeplanung als Planungsinstrument für Haushalte

Über 50 Prozent der Wärme wird in privaten Haushalten verbraucht. „Jetzt machen Wir unsere Wärme von Morgen“ lautet der Titel der gemeinsamen Infobroschüre der Kommunen. Hier wird klargestellt, dass es sich bei der KWP um ein Planungsinstrument handelt und nicht um eine Vorschrift, aus der sich Pflichten für Privathaushalte ableiten. 

Die Broschüre erklärt zudem die fünf Bausteine der KWP: Grundlage ist die Bestandsanalyse. Die darauf aufbauende Potenzialanalyse zeigt auf, was in Zukunft möglich sein könnte. Im dritten Schritt werden verschiedene Zielszenarien ausgearbeitet, die unterschiedliche Entwicklungspfade aufzeigen. Mögliche Wärmeversorgungsgebiete sind ein weiterer Baustein der KWP: Auf Basis all dieser Informationen entwickelt die Kommune passende Maßnahmen und Zeithorizonte zur treibhausgasneutralen Wärmeversorgung bis 2045. Dazu gibt die Broschüre jede Menge Tipps sowie weiterführende Links und QR-Codes.

Bürgerinnen und Bürger zeigen Interesse

Das Infomaterial von „Jetzt machen wir“ wird von allen Kommunen genutzt. Persönliche Ansprechpersonen in den einzelnen Städten sind auf der Website hinterlegt. Sämtliche Publikationen werden von den Klimaschutzmanagerinnen und -managern gemeinsam abgestimmt. „In unserem Jour Fixe besprechen wir die Inhalte, wer was verfasst und welche Materialien im Downloadbereich abrufbar sind“, erklärt Mascha Aring, die in Kerpen Ansprechpartnerin für den Klimaschutz ist. Durch die Klimakampagne besteht ein reger Austausch zwischen den Kommunen des Rhein-Erft-Kreises. „Da bin ich sehr dankbar für, wir profitieren alle von den Erfahrungen der anderen“, so Aring.

Die Flyer und Broschüren liegen auch in den jeweiligen Rathäusern aus. „An diesen Infomaterialen sehen wir das Interesse an den Themen“, sagt Aring. „Die Klimaanpassung geht gut weg, auch die energetische Sanierung und Solarenergie ist ein Dauerbrenner.“ Jetzt ist die Broschüre zur KWP dazugekommen. Die Bestandsaufnahme zur KWP hat die Stadt Kerpen inzwischen abgeschlossen. „Auch mit der Potenzialanalyse sind wir fast fertig“, so Aring. Bald wird ein erster Workshop mit der Industrie abgehalten, um abzuklären, ob dort noch Potenzial vorhanden ist. 

Andere Kommunen sind bereits weiter in ihrer Planung. „Wesseling und Hürth sind fertig, Frechen so gut wie und in Pulheim war schon die Bürgerinfo, alle sind ganz unterschiedlich im Prozess“, erklärt Aring. Trotzdem ziehen alle gemeinsam an einem Strang. „Bei den Bürgerveranstaltungen der anderen Kommunen sind wir selbstverständlich dabei, um zu unterstützen.“