Auf Batteriespeicher kommt es an
Als Säule der Energiewende bezeichnete Christian Vossler vom Landesverband Erneuerbare Energien NRW die Batteriespeicher. „Das Speichern von Strom ist wertvoll, dadurch werden die Börsenstrompreise geglättet.“ Anders als Gaskraftwerke, die wetterbedingte Schwankungen bei der Energieerzeugung ebenfalls ausgleichen könnten, seien Batteriespeicher eine nachhaltige Lösung, die uns unabhängig von Rohstoffen aus dem Ausland mache.
Das Nadelöhr Netzanschluss
Doch der Ausbau bringt die Netzbetreiber an Grenzen. Wer einen Batteriespeicher anschließen will, muss zuvor Genehmigungen einholen. Vor allem wird ein Netzanschluss benötigt, der bei den Netzbetreibern beantragt werden muss. Diese prüfen die Kapazität am Netzverknüpfungspunkt. Sie sind für die Stabilität des Netzes verantwortlich, müssen die technische Sicherheit garantieren und die Integration des Batteriespeichers ins Stromnetz koordinieren.
RWE hat bereits mehrere Großspeicher in Betrieb, unter anderem in Garzweiler und am Kraftwerkstandort Neurath. Weitere sind geplant. „Wir sehen aber, dass die Netze nicht mitziehen“, sagte Katja Wünschel, CEO der RWE Renewables Europe & Australia GmbH. „Wenn kein Anschluss da ist, bringt der Speicher nichts.“ Gleichzeitig betonte sie das Potenzial der Batteriespeicher.
Mehr Anträge, steigende Komplexität
Dr. Simon Ohrem von der Westnetz GmbH gab unumwunden zu, dass die Flut von Anträgen für Batteriespeicher ein Problem für die Netzbetreiber sei. „Außerdem steigt die Komplexität für das gesamte Netz, je mehr Anträge es gibt“, erklärt er. Dabei entsteht vor allem im Bereich der Hochspannung eine Konkurrenz-Situation. Mit dem bestehenden Netz seien die Anfragen kaum abzudecken.
Eine weitere Schwierigkeit: Bisher müssen Netzbetreiber Anträge nach dem Windhund-Prinzip abarbeiten – chronologisch nach Eingangsdatum. „Wir müssen Weg von diesem Prinzip und hin zur Priorisierung“, forderte Ohrem. Katja Wünschel stimmte zu und ergänzte: „Neben der Netzdienlichkeit sollten der Reifegrat der Anträge und der regionale Bedarf berücksichtigt werden.“
Politische Unterstützung für Veränderungen
„Wir brauchen rechtliche Klarheit und gesetzliche Veränderungen“, betonte auch Mona Neubaur. Entsprechende Impulse habe die Landesregierung an die Bundesebene geliefert. Neubaur ist überzeugt, dass eine Antrags-Gebühr für den Anschluss eines Speichers die Anzahl der Anträge eindämmen könnte.
Außerdem versuche man, mit der nordrhein-westfälische Speicher-Strategie zu unterstützen. „Das Energiespeicherkonzept soll Kommunen helfen, einen Rahmen zu setzen“, sagt Neubaur, die bedauerte, dass Dahlem nicht mit auf dem Podium vertreten war. In der kleinsten NRW-Gemeinde entsteht eine Anlage, die 203 Megawattstunden Strom speichern wird. „Wir können von den Kommunen lernen, dass sie einfach machen“, so die Ministerin. „Und zwar weil es dort jemanden gibt, der es zu seinem oder ihrem Thema macht. So kann man Dinge ermöglichen.“ Mit Kommunalen Kompetenz- und Beratungsstelle stehe den Kommunen zudem eine gemeinsame Anlaufstelle zur Verfügung. „Wir haben in NRW Kompetenz und Expertise“, so Neubaur. „Was wir brauchen ist Verfahrensfreiheit für Netze, die modernisiert und saniert werden müssen. Und wir haben in NRW den Willen das zu beschleunigen.“
„Das Rheinische Revier hat die Energie in der DNA“, ist sich Christian Vossler sicher. „Im Moment gibt es einen großen technologischen Fortschritt. Das kann hervorragend werden.“
Der Gigawattpakt
Die Gigawattpakt Jahresversammlung fand im Januar in Jülich statt. Dort kamen Vertreterinnen und Vertreter der Gigawattpakt-Mitglieder für einen intensiven Austausch zusammen. Das Bündnis aus Land NRW, Kommunen und Unternehmen wurde 2022 ins Leben gerufen und hat es sich zum Ziel gemacht, Erneuerbare Energien im Rheinischen Revier massiv auszubauen. Bis 2028 sollen deren Stromerzeugungskapazität bei mindestens 5 Gigawatt liegen. Bereits jetzt rückt dieses Ziel in greifbare Nähe.



