
Eisenwerk Brühl setzt auf Erneuerbare Energien
Wie kann Energie effizienter genutzt und CO2-Emission reduziert werden? Diese Fragen stehen beim Eisenwerk Brühl im Fokus. Mit einer Freiflächen-Photovoltaikanlage investiert das Unternehmen in eine nachhaltigere Energieversorgung. Die Anlage ist Teil einer umfassenden Strategie.

Durch die Krisen der letzten Jahre sind die Strom- und Energiepreise stark gestiegen. Für das Eisenwerk Brühl ist das besonders herausfordernd. „Eisen zu schmelzen, ist sehr energieintensiv und diese Energie macht einen wichtigen Kostenblock im Unternehmen aus“, sagt Business Development Manager Jan Arens. „Und diese Kosten müssen plan- und kalkulierbar sein, damit wir wettbewerbsfähig bleiben können.“ Strom selbst zu produzieren, ist eine Möglichkeit sich unabhängiger zu machen. „Wir haben große Flächen rund um das Werk, da lag die Installation von Freiflächen-PV nahe“, so Arens. Die Umsetzung sei zudem ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort in NRW.
Visionärer Firmengründer
Das Unternehmen besteht seit 1927. Firmengründer Georg Sandmann war seinerzeit davon überzeugt, dass sich das Automobil als Fortbewegungsmittel durchsetzen würde. Und er ging davon aus, dass Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit einer Gießerei nur durch Spezialisierung möglich seien. In Brühl, in Nähe der eisenschaffenden Industrie sowie zur Kohle, fand Sandmann den idealen Standort, um seine Pläne umzusetzen. Bis heute werden an der Kölnstraße hauptsächlich Motorblöcke für internationale Kraftfahrzeughersteller produziert – und jetzt auch Strom.
Bauzeit von zwei Jahren
Von den ersten Überlegungen zur Freiflächen-PV-Anlage bis zur ersten Stromgewinnung Ende Juni 2026 vergingen gerade einmal zwei Jahre. Auf rund 5 Hektar wurden Solarpanels mit einer Gesamtleistung von 7,1 Megawatt Peak (MWp) installiert. „Damit sparen wir CO2 ein, denn, diese Energie muss nicht mehr durch fossile Brennstoffe erzeugt werden“, sagt Arens. Rund 4,5 Millionen Euro investierte das Unternehmen, wobei etwa ein Zehntel der Kosten durch Fördermittel aus dem Landesprogramm progres.nrw finanziert werden konnte.
Schafe zur Landschaftspflege
Ein Teil der Anlage steht auf einem betrieblichen Parkplatz, der nicht mehr genutzt wird. Bei der Planung zogen die Verantwortlichen zunächst auch eine sogenannte Carportlösung mit aufgeständerten Solarmodulen in Betracht, doch der Aufwand für die Verankerung erwies sich als zu groß. Als Stellfläche wird auch ein angrenzender, firmeneigener Acker genutzt. Hier erstellte zuvor eine Fachfirma ein Bodengutachten und berücksichtigte bei der weiteren Planung die Naturschutzvorgaben. „Der Boden unter den Solarmodulen wird renaturiert und ab Herbst grasen hier Schafe zur Landschaftspflege“, erklärt Arens. Bis dahin hat der Rasen aus sechs verschiedenen Grassorten noch Zeit gut anzuwachsen.
Eigener Ökostrom senkt Scope-2-Emissionen
Bisher bezog das Eisenwerk den regulären Energiemix, der aus bis zu 55 Prozent grünem Strom bestand. „Dank unserer eigenen PV-Anlage produzieren wir echten Ökostrom“, sagt Jan Radespiel, Leiter Umwelt & Nachhaltigkeit. „Das reduziert unsere Scope-2-Emissionen und senkt gleichzeitig die Scope-3-Emissionen unserer Kunden, indem wir die grüne Herkunft unserer Energie transparent und zweifelsfrei nachweisen.“ Die Einteilung von Emissionen in Scope 1, 2 und 3 stammt aus dem international anerkannten Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) und dient der Erfassung und Bilanzierung von Treibhausgasemissionen in Unternehmen.

Baustein auf dem Weg zur Dekarbonisierung
Der durch Sonnenenergie produzierte Strom deckt etwa 6 bis 7 Prozent des Strombedarfs der Gießerei. Auf den ersten Blick erscheint dieser Anteil relativ gering in Bezug auf den Gesamtenergieverbrauch, doch die PV-Anlage ist ein Baustein auf dem Weg des Unternehmens, Produktionsabläufe nachhaltig zu gestalten, Ressourcen effizient einzusetzen und durch die gezielte Defossilisierung der Energieversorgung den CO₂-Fußabdruck konsequent zu minimieren.
Reduzierte Emissionen im Fuhrpark
Ein weiterer Baustein zur Emissionsvermeidung ist die Umstellung des innerbetrieblichen Fuhrparks auf den als CO2-neutral geltenden Kraftstoff HVO100. Seit September 2024 werden LKW, Gabelstapler und Baumaschinen des Eisenwerks mit dem alternativen Kraftstoff betankt. „Dadurch hatten wir von heute auf morgen 90 Prozent weniger CO2-Emissionen in unserer Bestandsflotte“, so Radespiel. Insgesamt werden durch die Substitution des bisher verwendeten Diesels jährlich rund 1.700 Tonnen CO2 nicht emittiert.
Beteiligung an Forschungsprojekt zu CCU
Mit der Photovoltaikanlage und der Umstellung auf HVO100 hat das Eisenwerk Brühl bereits wichtige Schritte zur Reduzierung seiner CO₂-Emissionen umgesetzt. Gleichzeitig beschäftigt sich das Unternehmen mit weiteren Technologien, die langfristig zur Dekarbonisierung industrieller Prozesse beitragen können. Dazu gehört auch die Beteiligung an einem durch das Land Nordrhein-Westfalen geförderten Forschungsprojekt im Bereich Carbon Capture and Utilization (CCU), der Abscheidung und Nutzung von CO2. Ziel ist es, Perspektiven für die zukünftige Nutzung prozessbedingter CO₂-Emissionen zu entwickeln. „Da steckt noch viel Arbeit drin“, räumt Radespiel ein. Die Landesregierung unterstützt solche innovativen Lösungsansätze seit 2024 mit dem Förderwettbewerb „CCU-Modellregion NRW“.
Innovative und ressourceneffiziente Prozesstechnik
Auch die eigenen Produktionsprozesse werden kontinuierlich weiterentwickelt. „Durch ein innovatives Verfahren zur Abluft-Aufkonzentration konnten wir bei unserer neuen Abluftreinigungsanlage den zu behandelnden Abluftvolumenstrom von 150.000 auf 15.000 Kubikmeter pro Stunde reduzieren“, sagt Radespiel. Das Verfahren zur Optimierung der eigenen thermischen Prozesse wurde gemeinsam mit einem deutschen Anlagenbauer und einem japanischen Lieferanten entwickelt und gilt als Beispiel für innovative und ressourceneffiziente Prozesstechnik.
Nachhaltigkeit ist für das Eisenwerk Brühl ein kontinuierlicher Prozess. Mit der Produktion von eigenem Strom, der Nutzung klimafreundlicherer Energieträger und der stetigen Optimierung seiner Produktionsprozesse leistet das Unternehmen einen Beitrag zur Energiewende und zur Transformation der energieintensiven Industrie.
Teil der zukünftigen Energieversorgung
Offiziell eingeweiht wurde die Freiflächen-PV-Anlage durch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bei ihrer diesjährigen Gigawattpakt-Tour am 17. Juli 2026. „Das, was wir heute hier in Betrieb nehmen, ist genau das, was Teil der zukünftigen Energieversorgung sein muss.“ Bei der Gründung des Gigawattpakts seien fünf Gigawatt ein hehres Ziel gewesen, erinnerte die Ministerin. „Und schon jetzt ist das Ziel zu 98 Prozent erreicht,“ so Neubaur.






