Anfang 2024 gaben die Zukunftsagentur, das NRW-Wirtschaftsministerium und NRW.Energy4Climate zwei neue Förderbausteine für das Rheinische Revier bekannt. Mit ihrer Hilfe und den damit verbundenen 60 Millionen Euro an Strukturstärkungsmitteln soll der Photovoltaik-Ausbau auf kommunalen Gebäuden weiter vorangetrieben werden. Wir haben Sven Bacher von der Bezirksregierung Köln gefragt, wie es läuft.
Herr Bacher, als Mitarbeiter der Bezirksregierung sind Sie für die Abwicklung der Prozesse rund um die Förderanträge zuständig. Können Sie uns vielleicht kurz die Abläufe eines solchen Prozesses erklären?
Grundsätzlich ist es ein ganz klarer Prozess. Er erstreckt sich von dem Eingang eines Antrages über die fachliche Einschätzung der Kolleginnen und Kollegen in Arnsberg bis zur fördertechnischen Bewertung und der Bewilligung. Das ist der Prozess im Großen und Ganzen. Für uns von der Bewilligungsbehörde gehören aber auch kleinteiligere Schritte zur Bearbeitung, bis diese dann in einer Bewilligung mündet.
Welche Maßnahmen können gefördert werden?
Gefördert werden Systeme aus Photovoltaik-Dachanlagen und Batteriespeichern, die auf kommunalen Gebäuden elektrische Energie für den Eigenverbrauch erzeugen. Die Gebäude dürfen nicht für wirtschaftliche Tätigkeiten im Sinne des europäischen Beihilferechts genutzt werden. Der prognostizierte Jahresertrag der zu fördernden Photovoltaikanlage darf nicht höher sein als der prognostizierte Stromverbrauch des kommunalen Gebäudes. Die voraussichtliche Eigenverbrauchsquote muss bei mindestens 80 Prozent liegen.
Soviel zur Theorie. Wie kommt das Förderangebot bei den Kommunen an?
Das Interesse am Förderangebot ist groß. Die Rückmeldungen, die wir als Bewilligungsbehörde erhalten, sind sehr positiv. Aktuell sind 285 Anträge bei uns eingegangen. Wir haben 129 Maßnahmen bewilligt, wovon einige auch schon umgesetzt wurden. Weitere rund 40 Maßnahmen stehen kurz vor einer Bewilligung. (Stand 01.07.2025)
Ihrem Eindruck nach: Was motiviert die Kommunen, Förderungen für PV-Anlagen zu beantragen?
Für die Kommunen ist dieser Aufruf eine hervorragende Gelegenheit, mit einer Förderquote von mindestens 92,5 Prozent, einen Baustein der Energiewende einzuleiten. Außerdem können die Kommunen langfristig auch die Stromkosten senken. In Summe, denke ich, ist das ein sehr guter Anreiz.
Gibt es dabei auch Schwierigkeiten? Vor welchen Herausforderungen stehen die Kommunen im Förderprozess?
Zunächst müssen die Kommunen den eigenen Bedarf identifizieren. Denn nicht jedes Gebäude ist aufgrund verschiedener Faktoren für die Installation einer PV-Anlage geeignet. Diese Identifizierung muss durch die Kommunen selbst getragen werden, da wir bei Planungsleistungen nur das sogenannte „Wie“, also die Ausgestaltung der Anlage, fördern können und nicht das „Ob“. Außerdem muss dieser Bedarf auch bedient werden können. Das heißt sowohl die Dienstleister als auch die Kommunen müssen die Kapazitäten haben, die Projekte auch entsprechend zu betreuen und abzuwickeln. Besonders groß ist diese Herausforderung, wenn mehrere Anlagen von einer Kommune beantragt werden.
Gibt es einen Förderantrag, der Ihnen aufgrund von Besonderheiten besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Ich denke der erste Antrag ist ein besonderer gewesen, da wir diesen Aufruf mit sehr viel Einsatz und Engagement in kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben, wenn man dann sieht, dass das erarbeitete funktioniert, dann macht einen das schon glücklich. Der erste Antrag steht daher sinnbildlich für unseren Einsatz und bleibt somit auch besonders.
Was empfehlen Sie Kommunen, die sich ebenfalls für die Installation von PV-Anlagen auf ihren Gebäuden interessieren?
Sofern die Gebäude, die für die Installation in Frage kommen bestimmt sind, sollten sich die Kommunen frühzeitig mit den Dienstleistern abstimmen, damit diese den Installationszeitraum grob bestimmen können. Der zeitliche Aspekt wird hierbei gerne mal unterschätzt, ist für uns in der Planung aber von Relevanz.
Außerdem wird oft nicht berücksichtigt, dass die Planungsleistungen bis zur Vorbereitung der Vergabe durchgeführt werden dürfen, ohne dass es einen förderschädlichen vorzeitigen Maßnahmenbeginn darstellt.
Was ist Ihr persönliches Zwischenfazit?
Nach meiner Ansicht ist das ein sehr sinnvoller Förderaufruf, welcher die Kommunen nachhaltig entlastet und einen großen Beitrag zur Energiewende im Rheinischen Revier leistet.
Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen im Rheinischen Revier können sich bei Fragen zum Thema unter der E-Mail-Adresse Gigawattpakt(at)bezreg-koeln.nrw.de oder mittels Kontaktformular bei der Bezirksregierung Köln melden.
Weiterführende Links
- Förderbausteine zum Photovoltaikausbau im Rheinischen Revier (Rheinisches Revier)
- Förderung des Strukturwandels im Rheinischen Revier (Bezirksregierung Köln)




