
Im Stoffkreislauf: Euskirchener Betrieb setzt auf nachhaltiges Biogas
Der Betrieb „Von Meer“ in Euskirchen ist „Meer“ als nur ein Agrarbetrieb. Als moderner Fami-lienbetrieb in vierter Generation setzt das Unternehmen auf zukunftsweisende Lösungen. Unter dem Namen „Schornbuscher Biokraft“ betreiben Rainer von Meer und sein Sohn Alexander zwei Biogasanlagen. Nachhaltigkeit und Innovation gehören seit Generationen zur Philosophie des Unternehmens.

Vom landwirtschaftlichen Betrieb zum Energieerzeuger
Der Baubeginn der ersten Biogasanlage im Jahr 2002 brachte den Stein ins Rollen. „Wir wollten verantwortungsvoll und nachhaltig handeln, aber natürlich auch wirtschaftlich“, erinnert sich Rainer von Meer. Im Sinne der Diversifizierung sollte neben der Landwirtschaft ein weiteres betriebliches Standbein her. „Eine breite Basis bringt einfach mehr wirtschaftliche Sicherheit.“ Nach der Inbetriebnahme 2003 wurde die Anlage sukzessive erweitert und produziert mittlerweile 2 Megawatt pro Stunde – 17 Gigawattstunden pro Jahr. Das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von etwa 4.500 Haushalten.
2011 machte die Schornbuscher Biokraft einen weiteren großen Schritt und zählte damit zu den Pionieren der Region: Es entstand eine zweite Biogasanlage, die aufbereitetes Biogas in das Gasnetz des Regionalversorgers einspeist. Heute produzieren die Anlagen Biogas mit einer Gesamtleistung von 3,5 Megawatt pro Stunde. Pro Jahr sind das 30 Gigawatt – genug, um den Energiebedarf von rund 8.500 Haushalten zu decken.
Kreislaufwirtschaft als Unternehmensprinzip
Ein besonderer Fokus liegt auf einer nachhaltigen Rohstoffstrategie. „Die Zukunft der Nahrungsmittel-/Energiesicherheit liegt mit in den Händen der Landwirtschaft“, heißt es auf der Unternehmens-Website. „Wir wollten von Anfang an eine Konkurrenzsituation zwischen Lebensmittelproduktion und Energieproduktion vermeiden“, so von Meer. Das langfristige Ziel des Betriebs ist eine Biogasproduktion ohne den Einsatz von Ackerkulturen. Schon heute stammen rund 70 Prozent der Biogasproduktion aus landwirtschaftlichen Reststoffen – darunter Mist von Rindern, Puten, Hühnern, Hähnchen, Schafen und Pferden. Lediglich 30 Prozent entfallen auf Ackerkulturen wie Mais, Ganzpflanzensilage – zum Beispiel von Getreide – oder Rüben. Der Maisanteil ist dabei auf maximal 20 Prozent begrenzt. „Dass wir Mist als Rohstoff verwenden, macht die Aufbereitung aufwendiger“, erklärt von Meer. Man arbeite aber bewusst im Sinne einer Kreislaufwirtschaft. „Wir sind überzeugt davon, dass wir mit den ohnehin anfallenden Reststoffen einen wertvollen Beitrag zur klimafreundlichen Energiegewinnung leisten.“
Auch die entstehende Wärme wird sinnvoll genutzt: Benachbarte Höfe sowie ein Mastbetrieb für Putenküken werden zuverlässig mit Wärme versorgt. Der verbleibende Gärrest dient als hochwertiger organischer Dünger und wird in der Landwirtschaft weiterverwendet – ein weiterer Baustein für geschlossene Stoffkreisläufe.
Energiekonzept mit Auszeichnung
Für dieses zukunftsweisende Konzept wurde die Schornbuscher Biokraft im April 2024 vom deutschen Fachverband Biogas als „Biogasanlage des Monats“ ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt den innovativen Beitrag des Unternehmens zur regionalen Energieversorgung und zum Klimaschutz.
Doch der Blick richtet sich bereits nach vorn: Mit einer geplanten Freiflächen-Photovoltaikanlage soll zusätzlicher erneuerbarer Strom erzeugt werden. Dieser soll künftig über einen Elektrolyseur für die regionale Wasserstoffproduktion genutzt werden. Auch Agri-PV-Anlagen mit einem 5 Megawatt Batteriespeicher und ein eigener Stromladepark für Autos und LKW stehen kurz vor der Fertigstellung. Im Betrieb laufen bereits 27 Elektro- Autos und 3 Elektro-LKW.
Gigawattpakt-Tour 2026: Besuch der Ministerin
Die Lademöglichkeiten auf dem Hof nutzte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur prompt bei ihrer Gigawattpakt-Tour am 17. Juli, um den E-Dienstwagen aufzuladen. Bei einem Rundgang über die Anlage überzeugte sie sich von den ganzheitlichen Ansätzen des Unternehmens. Sie hielt fest: „Gas aus Biomasse wird in seiner Tragweite noch massiv unterschätzt.“ Vor diesem Hintergrund lobt die Ministerin das Engagement des Euskirchener Unternehmens und bedankte sich für die Pionierarbeit.
Für die nachhaltige Stromversorgung im Rheinischen Revier sind Biogasanlagen ein zwar anteilig kleines, aber wichtiges Puzzleteil. Anders als Windkraft- und PV-Anlagen produzieren sie wetterunabhängig Strom. Sie ergänzen dadurch eine stabile Versorgung und liefern eine nachhaltige Alternative zu Erdgas.






