
Von der Dunkelheit zur Sonne – Ein Museum macht die Energiewende erlebbar
Das Gestell ruckelt, ein metallisches Knirschen durchfährt die feuchte Luft, während der Förder-korb in die Dunkelheit hinabgleitet. Das fahle Licht der Grubenlampe tastet sich über nasse Stahlstreben und rußgeschwärzte Wände. Unten ist die Luft schwer, staubig und warm. Das dumpfe Grollen von Maschinen und ein Echo von Schlägen im Gestein sind zu hören.
Für mehrere tausend Kumpel begann so bis 1992 ein normaler Arbeitstag. In den Bergbau-Strecken der Grube Anna in Alsdorf wurde fast 150 Jahre lang Steinkohle für die Energieversorgung abgebaut. Seit 2014 ist die Steinkohlengrube zum Energie-Erlebnis-Museum transformiert. Hier können die Besucher in einem alten Lehrbergwerk unter Tage hautnah erfahren, wie der Arbeitsalltag der Kumpel aussah und wie die Energiegewinnung durch Steinkohle funktionierte. Gleichzeitig geht es im Museum darum, wie sich die moderne Energieversorgung hin zu mehr Nachhaltigkeit verändert.
Zurück zu den Wurzeln: Energie im Wandel
Das Motto des Museums: Energie erleben – Energie verstehen. Um diesem gerecht zu werden, hilft der Blick in die Vergangenheit. Museumspädagogin Diana Esser erklärt, dass vorindustrielle Energieversorgung regenerativ war. Mühlen wurden mit Wasser oder Wind betrieben, Holz diente als wichtigster Energieträger. "Erst seit der Industrialisierung nutzen wir fossile Energien“, so Esser. "Wenn wir jetzt wieder regenerative Energien nutzen, bewegen wir uns eigentlich wieder zu unseren Wurzeln zurück. Wir müssen wieder nachhaltiger wirtschaften und nachhaltige Energien verwenden."
Energie heute: Mitmachen, verstehen, verändern
Die Entwicklung der Energiegeschichte wird im Energeticon erlebbar. Wenn die Besucher den dunklen Bergbauschacht hinter sich gelassen haben, erfahren sie, wie Energie heute entsteht – und können auch selbst in die Pedale treten, um Strom zu erzeugen. In der Dauerausstellung wird deutlich, wie die moderne Versorgung über Wind- und Solarenergie den Weg in die Zukunft gestalten kann. Das Museum entwickelt sich dabei ständig weiter. Neben Führungen bietet es Workshops und Veranstaltungen, Kindergeburtstage und Ferienspiele rund um das Thema Energie. Auch Schulklassen sind hier gern gesehene Gäste. "Es geht nicht nur darum, zu zeigen, wie wir in der Vergangenheit Energie genutzt haben, sondern wir arbeiten auch daran, unseren Besuchern zu vermitteln, inwieweit jeder persönlich einen Beitrag dazu leisten kann, Energie einzusparen, umweltfreundlicher und nachhaltiger zu leben", so Esser.
Nachhaltigkeit im Betrieb
Diesen Ansatz nehmen die Verantwortlichen des ENERGETICON auch für das Museumsgebäude ernst und nutzen unter anderem regenerative Wärme. Grubenwasser nimmt 900 Meter unter der Erde Wärme auf und wird dann zu einer Wärmepumpe geleitet, die das Gebäude heizt. Außerdem sind weitere Schritte geplant:
Die intelligente Energielandschaft der Zukunft
Mit dem Projekttitel AnnA4.0 entsteht in den nächsten Monaten eine moderne Energielandschaft – ein 6-Millionen-Euro-Projekt, das das Land NRW mit 5 Millionen Euro fördert. Der Hintergrund: Auf dem Zechengelände befinden sich Gebäude unterschiedlichster Art – und somit mit ganz unterschiedlichem Energiebedarf. Ein industrieller Altbau, ein gewerblicher Neubau, ein Stadtquartier und ein Mobility Hub sollen gekoppelt und mit Hilfe von Sensoren und einer intelligenten Steuerung energieoptimiert betrieben werden. Neben der Grubenwasserthermie sorgen innovative Wärmepumpen, ein Pelletkraftwerk, PV- und Windkraftanlagen sowie ein Batteriespeicher für eine autarke Energieversorgung. Genau wie beim Museum soll auch hier Wissen anschaulich vermittelt werden: AnnA4.0 bietet nach Fertigstellung ein Seminar- und Kursangebot mit Virtual und Augmented Reality-Elementen, um Schulklassen sowie Interessierte auf den Umgang mit neuen Technologien einzustimmen.
Bildung als Schlüssel für den Gigawattpakt
Aufklärung und Bildung spielen auch für den Gigawattpakt eine zentrale Rolle. Denn die Energiewende ist ein gemeinschaftliches Projekt. Für das Rheinische Revier als Energiestandort ist es deshalb entscheidend, Nachwuchs und Fachkräfte zu sensibilisieren. Esser weiß: „Das Energeticon stärkt den positiven Blick auf Veränderungen. Wir machen die Vorteile und Chancen der Energiewende sichtbar.“





