Bundesverband Wärmepumpe e.V.

Wärmewende: Auf dem Weg zur nachhaltigen Wärmeversorgung

Wenn wir über die Energiewende sprechen, denken die meisten zuerst an Solaranlagen oder Windenergieanlagen. Dabei entfällt mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauchs auf die Wärmebereitstellung wie die Raumheizung, für Warmwasser und für industrielle Prozesswärme. Daher ist die Wärmewende auch ein zentraler Hebel der Energietransformation.

Das Rheinische Revier befindet sich in einem strukturelle Transformationsprozess, der durch den sozioökonomischen Wandel infolge des Kohleausstiegs geprägt ist. Dieser Prozess eröffnet die Chance, die Region als Modellregion für klimaneutrale und regenerative Wärmeversorgung zu positionieren. 

Regenerative Wärme als Schlüssel zur Energiewende

Regenerative Wärme umfasst Technologien, wie die Wärmeenergie aus erneuerbaren oder klimaneutralen Quellen, dazu zählen Geothermie, Solarthermie, Abwasserwärme, die Nutzung von Umweltwärme über Wärmepumpen oder unvermeidbare Abwärme aus industriellen Prozessen. Diese Versorgungsoptionen sind nicht nur klimaverträglich, sondern bilden die Grundlage für eine langfristig bezahlbare, versorgungssichere und importunabhängige Energieinfrastruktur.

Private Wärmeversorgung als Baustein

Die Wärmewende basiert auf zwei komplementären Versorgungsebenen: der zentralen und der dezentralen Wärmeversorgung. „Gerade im Bereich der objektbezogenen Wärmeversorgung einzelner Gebäude liegt der Schwerpunkt auf dezentralen Lösungen direkt am Gebäude”, erklärt Isabelle Grudda, Referentin für Bioenergie und regenerative Wärmeerzeugung bei der Kommunalen Kompetenz- und Beratungsstelle. „Wärmepumpen sind dabei in der Regel die effizienteste Technologie, um dezentrale erneuerbare Wärmequellen zu erschließen – je nach Ausführung lässt sich damit Wärme aus der Außenluft, dem Grundwasser oder dem Erdreich gewinnen und für die Gebäudeheizung nutzbar machen.”

Zentrale Lösungen mit Fern- und Nahwärmenetzen

Parallel zu der dezentralen Versorgung gewinnen leitungsgebundene Wärmeinfrastrukturen strategisch an Bedeutung und bietet Vorteile. „Ein entscheidender Vorteil moderner Wärmenetze ist ihre technische Offenheit: Sie können unterschiedliche erneuerbare Wärmequellen aufnehmen – von Geothermie über Solarthermie bis hin zu industrieller Abwärme. Dadurch lassen sich sowohl dicht bebaute Stadtquartiere als auch ländliche Regionen effizient und klimafreundlich versorgen“, erklärt Grudda. So lassen sich etwa Abwasserwärme oder die Abwärme großskaliger Rechenzentren, die derzeit im Rheinischen Revier entstehen, in ein gemeinsames Versorgungssystem integrieren. Die Initiative Abwasserwärme NRW des Ministeriums verfolgt das Ziel, Wärme aus Kanälen und Kläranlagen nutzbar zu machen, welches bislang im Siedlungsbereich ein weitestgehend ungenutztes Potenzial aufweist.

Kommunale Wärmeplanung als strategischer Rahmen

„Die kommunale Wärmeplanung hat die Aufgabe, den zukünftigen Wärmebedarf einer Kommune systematisch zu erfassen und daraus eine strategische Leitlinie für die klimaneutrale Wärmeversorgung zu entwickeln“, sagt Carola Garther, Teamleiterin Kommunale Kompetenz- und Beratungsstelle zum Gigawattpakt. „Das stärkt die langfristige Planbarkeit“, unterstreicht sie. Die kommunale Wärmewende ist keine Einzelaufgabe für die Kommunen. Weitere relevante Akteure sind Regionalverbände, Energieversorger, Netzbetreiber, Banken, Dienstleister, Politik und Wirtschaft. 

„Die Energiewende ist ein Gemeinschaftsprojekt. Wir brauchen Plattformen und Formate, um Menschen in den Austausch zu bringen. Die polis TOMORROW ist dafür perfekt geeignet“, erklärt Gather. Im Mai halten Gather und Grudda im Rahmen der Düsseldorfer Messe einen Vortrag zur regenerativen Wärme und ihrer Bedeutung für die kommunale Wärmeplanung.

Viele Potenziale bei Industrie und Abwärme

Die durch die Kommunale Wärmeplanung gewonnene Investitionssicherheit ist nicht nur für Kommunen relevant, sondern auch für die ansässige Wirtschaft. Industriebetriebe, die im Rahmen ihrer Produktionsprozesse unvermeidlich Wärme erzeugen, können diese entweder prozessintern nutzen oder überschüssige Abwärme in lokale Wärmenetze einspeisen. Im Rheinischen Revier entstehen derzeit großskalige Rechenzentren, deren Abwärme künftig einen substanziellen Beitrag zur regionalen Wärmeversorgung leisten kann – ein konkretes Beispiel dafür, wie der Strukturwandel neue Potenziale für eine klimaneutrale Wärmeversorgung erschließt.

Wärme aus den Tiefen des Rheinischen Reviers

„Eine ebenfalls vielversprechende Option für die Region ist die geothermische Wärmegewinnung “, sagt Isabelle Grudda. Das Rheinische Revier verfügt über geologische Strukturen, die sowohl für oberflächennahe Erdwärmesonden als auch für tiefengeothermische Anlagen nutzbar sein könnten. Das Fraunhofer-Institut IEG untersucht im Reallabor Geothermie Rheinland systematisch die Untergrundpotenziale und erarbeitet eine belastbare Datenbasis für Kommunen und Energieversorger. Langfristig könnte die Geothermie einen erheblichen Anteil des nordrhein-westfälischen Wärmebedarfs decken und damit einen strukturprägenden Beitrag zur Wärmewende leisten.

Herausforderungen und Chancen

Mit der Wärmestrategie hat Nordrhein-Westfalen einen klaren politischen Rahmen gesetzt: Bis 2045 soll die Wärmeversorgung des Landes vollständig klimaneutral sein. Damit nimmt NRW bundesweit eine Vorreiterrolle ein und schafft die planerische Grundlage für eine strukturierte, investitionssichere Transformation. Dieser Prozess erfordert erhebliche Investitionen in den Neu- und Ausbau von Wärmeinfrastrukturen sowie die konsequente Anpassung technologischer Lösungen an lokale geologische, städtebauliche und wirtschaftliche Gegebenheiten. 

Für das Rheinische Revier als ehemalige Energieregion im Strukturwandel bietet die Wärmewende zugleich erhebliche wirtschaftliche Perspektiven: Neue Technologien generieren regionale Wertschöpfung, schaffen Beschäftigung und eröffnen Innovationspotenziale. Initiativen wie der Gigawattpakt treiben den koordinierten Ausbau erneuerbarer Energien und der zugehörigen Infrastruktur gezielt voran – und machen deutlich, dass die Energietransformation im Rheinischen Revier keine Zukunftsvision mehr ist, sondern aktiv gestaltet wird.