Windenergie mit regionalen Wurzeln

Die Dürener Firma REA treibt den Ausbau der Windenergie im Rheinischen Revier voran – mit regionalem Fokus, Bürgerbeteiligung und nachhaltigem Strukturwandel.

In den ersten Jahren gab es viel Gegenwind. Doch inzwischen ist die REA GmbH Management (REA) ein regional verwurzeltes Unternehmen, das Windenergieprojekte plant, betreibt und dabei Kommunen, Bürgerinnen und Bürger sowie lokale Partner aktiv einbindet.

Der Wind weht stetig in der Eifel und im Dezember 1990 wurde das Stromeinspeisungsgesetz, der Vorläufer des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), verabschiedet. Diese beiden Tatsachen ermutigten den Dürener Landwirt und Ingenieur Hans-Willi Schruff in den 1990er Jahren gemeinsam mit zwei Freunden eine erste Windenergieanlage in der Voreifel zu errichten. „Windenergie war damals nur etwas für verrückte Spinner und er gehörte dazu“, sagt Wirtschaftsingenieur Klaus Wildrath schmunzelnd. Schruff sprach mit Landbesitzern und leistete viel Überzeugungsarbeit. Schließlich wurden erste Anlagen in Hürtgenwald und Nideggen-Schmidt errichtet. Das war der Grundstein der „Regenerativen Energie Anlagen“, kurz REA, genannt. Seit 2021 unterstützen Wildrath und Johanna Lehmann Firmengründer Schruff bei der Geschäftsführung.

Wachstum mit regionalem Fokus

Aktuell betreibt die Dürener Firma rund 50 Windenergieanlagen, 14 sind im Bau, weitere 20 genehmigt und werden in den nächsten Jahren errichtet. „Der Großteil der Projekte ist im Rheinischen Revier“, sagt Wildrath. Bisher sei das Unternehmen organisch gewachsen, doch man wolle nicht unendlich expandieren, sondern sich auf die Region begrenzen. „Unser Fokus liegt auf lokalen Werten. Bürger und Kommunen werden beteiligt, Aufträge an lokale Unternehmen vergeben und wir sind nah dran an den Grundstückseigentümern, die uns vertrauen“, erklärt der Geschäftsführer.

Vom kleinen Büro zum etablierten Unternehmen

Wildrath arbeitet seit zwölf Jahren für den Projektentwickler. Bereits als Werkstudent wurde er aktiv in die Projekte eingebunden. „Als ich anfing, arbeiteten wir mit fünf bis sechs Leuten in einem kleinen Büro, nicht größer als eine Drei-Zimmer-Wohnung“, erinnert er sich. Inzwischen beschäftigt REA über 30 Mitarbeitende. Die Firmenpolitik bezeichnet der Geschäftsführer als konservativ und regional verwurzelt. „Wir sind mit den Projekten gewachsen und langfristig dabei. Wir haben nie Windenergieanlagen entwickelt und dann verkauft, sondern sind an allen Parks selbst beteiligt.“ Bei allen errichteten Anlagen ist das Dürener Unternehmen Betriebsführer, sowohl technisch als auch kaufmännisch. „Wir wollen langfristig Ansprechpartner sein für unsere Windparks, länger als 20 Jahre“, so der Wirtschaftsingenieur.

Bürgerbeteiligung und Genossenschaftsmodelle

Die Grundstücke für die Windenergieanlagen werden gepachtet und die Eigentümerinnen und Eigentümer am Umsatz beteiligt. Damit auch Anwohnende von den Windenergieanlagen vor ihrer Haustür profitieren, wurden 2012 in Hürtgenwald und Düren Genossenschaften gegründet. Doch der Verwaltungsaufwand war zu groß, inzwischen sind die beiden Genossenschaften zur „Bürgerenergie Kreis Düren eG“ zusammengeführt. „Die Genossenschaft hat mehr als 550 Mitglieder, ist an fünf Windparks beteiligt, im Windpark Hürtgenwald-Peterberg sogar Besitzer einer der fünf Windenergieanlagen und ab kommendem Jahr auch einer Weiteren in Nideggen“, so Wildrath. Beteiligungen sind ab 500 Euro möglich. 

Kommunale Teilhabe und gesellschaftliche Verantwortung

An der Finanzierung einer Windenergieanlage oder eines ganzen Windparks sind mehrere Investoren beteiligt. „Mit im Boot sind zum Beispiel die kommunalen Gesellschaften Rurenergie und Dura Green aus dem Kreis Düren“ erklärt Wildrath. „Dazu eine Kombination aus Genossenschaften und einzelnen Bürgern.“. Erneuerbare Energien zu fördern, Menschen mitzunehmen und zu beteiligen, gehört zum Selbstverständnis des Dürener Unternehmens. Als im März 2022 der Gigawattpakt ins Leben gerufen wurde, gehörte REA mit zu den Gründungsmitgliedern. Und als 2023 das Gesetz zur kommunalen Teilhabe (Bürgerenergiegesetz NRW) in Kraft trat, machte REA sofort von dieser Möglichkeit Gebrauch und beteiligte Städte und Gemeinden an den Windenergieanlagen mit 0,2 Cent je Kilowattstunde. Inzwischen profitieren 23 Kommunen im Rheinischen Revier von jährlichen Zahlungen in Höhe von fast einer halben Millionen Euro, Tendenz stark steigend.

Langer Atem führt zum Erfolg

Wer im Sektor Windenergie unterwegs ist, braucht allerdings einen langen Atem. „Teilweise dauern Genehmigungen zehn Jahre“, sagt Wildrath. Die Planungen in Nideggen haben bereits vor zwölf Jahren angefangen. Immer wieder gab es Widerstand, auch aus der Politik. „Das war für uns eine schwierige Phase, doch wir haben die Grundstückseigentümer zusammengehalten und mit den Regionalplänen zum Ausbau der Windenergie kam ab 2024 schließlich Schwung in die Sache“, erzählt er. In den nächsten Monaten werde in Nideggen einiges passieren „Die Stadt wird zur Vorzeigekommune in Sachen Windenergie“, ist sich der Geschäftsführer sicher.

Zukunftstechnologien werden mitgedacht

Zur Planung von Windenergieanlagen gehört auch die Organisation der gesamten Infrastruktur. „Wir realisieren den Netzanschluss und verlegen auch mal eine zehn Kilometer lange Kabeltrasse“, erzählt Wildrath. Bei neueren Projekten sind auch eigene Umspannwerke errichtet worden. „Und Batteriespeicher gehören bei der Planung inzwischen bei jedem Projekt dazu, doch da sind die Herausforderungen vor allem regulatorischer Natur.“ Für eine langfristige Speicherung der Energie ist aus seiner Sicht Wasserstoff ideal, auch wenn im Moment die Entwicklung solcher Projekte etwas ins Stocken geraten sei. „Wenn die Möglichkeit besteht, einen Windpark an einen Elektrolyseur anzuschließen, machen wir das sofort.“

Gigawattpakt als Motor des Strukturwandels

REA ist Gründungsmitglied des Gigawattpakts und eines der Unternehmen, die mit dazu beitragen, den Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2028 auf über 5 Gigawatt auszubauen. Der im März 2022 gegründete Gigawattpakt hat inzwischen knapp 60 Mitglieder aus Landkreisen, Kommunen, energiewirtschaftlichen Unternehmen und Projektträgern. Das Bündnis ist ein Zukunftsprojekt des Strukturwandels. Bund und Land unterstützen die nachhaltige Transformation des Rheinischen Reviers mit mehr als 14,8 Milliarden Euro.