Energiewende im Rheinischen Revier: 300 Jahre Energiegeschichte

Vom ersten Braunkohleabbau bis zum Gigawattpakt für Erneuerbare Energien: Das Rheinische Revier blickt auf über 300 Jahre Energiegeschichte zurück. Als Deutschlands wichtigstes Braunkohlerevier prägte es die Industrialisierung, den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und nun den Wandel hin zu einer sicheren und verantwortungsvollen Energiezukunft. Die Region steht sinnbildlich für die Herausforderungen und Chancen eines tiefgreifenden wirtschaftlichen und technologischen Umbruchs.

2025

Erfolgreicher Strukturwandel

Heute steht das Rheinische Revier sinnbildlich für den erfolgreichen Strukturwandel: von Europas größtem Braunkohlefördergebiet hin zu einer Modellregion für die Energiewende

Neue Schwerpunkte wie die Erzeugung und Nutzung von grünem Wasserstoff, die intelligente Sektorenkopplung und der Ausbau smarter Energienetze machen die Region zum technologischen Vorreiter. 

Gleichzeitig zeigt das Revier exemplarisch, wie tiefgreifender Wandel sozial, wirtschaftlich und ökologisch gestaltet werden kann – mit Modellcharakter für andere Regionen weltweit.

2022
Ministerin und weitere weihen einen Windpark ein

Gigawattpakt als Meilenstein

Einen entscheidenden Meilenstein bildete die Unterzeichnung des sogenannten Gigawattpakts am 21. März 2022. Rund 50 Gründungsmitglieder – darunter Kommunen, Landkreise, Stadtwerke, Projektentwickler und Unternehmen – verpflichteten sich zu einem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien

Das Ziel: Die installierte Leistung von Wind-, Solar- und anderen regenerativen Anlagen sollte von 2,3 Gigawatt im Jahr 2020 auf  mindestens 5 Gigawatt bis 2028 verdoppelt werden. Bereits Ende 2024 konnte mit über 3,6 Gigawatt ein wichtiger Zwischenschritt erreicht werden – 500 Megawatt mehr als ursprünglich erwartet.

2020
 Mahnwache von Alle Dörfer bleiben an der Mahnwache vor dem vom Abriss bedrohten Lützerath am 24. September 2020

Der Anfang vom Ende der Braunkohleförderung

Rund 40.000 Menschen mussten in den vergangenen Jahrzehnten ihre Dörfer verlassen, um den Baggern zu weichen. Ab den 1990er-Jahren rückten zunehmend die ökologischen und sozialen Folgen des Braunkohletagebaus in den Fokus. Braunkohle wurde als einer der größten CO2 -Emittenten kritisiert. 

Im Januar 2020 beschloss die Bundesregierung mit dem Entwurf des Kohleausstieggesetzes den bundesweiten Kohlausstieg bis spätestens 2038. Ein früherer Ausstieg für NRW bis 2030 wurde im November beschlossen. Um diesen Wandel aktiv zu gestalten, wurde 2011 die Zukunftsagentur Rheinisches Revier gegründet. Forschung und Innovation rückten in den Vordergrund – insbesondere im Bereich Wasserstoff und Power-to-X-Technologien, etwa durch das Helmholtz-Cluster HC-H2.

1945
Karte des Rheinischen Reviers

Wiederaufbau dank der Braunkohle

Nach dem Krieg war die Braunkohle ein tragendes Element des Wiederaufbaus und trug maßgeblich zum Wirtschaftswunder bei. In den Folgejahrzehnten entstanden die großen Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden. Mit einer Jahresförderung von bis zu 100 Millionen Tonnen wurde das Rheinische Revier zum größten Braunkohleabbaugebiet Europas.

1933
August 1953  Union-Kraftstoffwerk Wesseling bei Bonn Kohlebreipressen Bau 45

Anstieg der Brikettproduktion

In der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) stand die Energiepolitik ganz im Zeichen der Autarkie. Die Förderung der Kohleverflüssigung führte 1937 zur Gründung der Union Rheinischer Braunkohlen Kraftstoff AG in Wesseling. Zwischen 1934 und 1942 stieg die Brikettproduktion von 9 auf 14,5 Millionen Tonnen pro Jahr.

1918
Tagebau Zukunft, Rheinisches Braunkohlerevier West 1912

Aufschwung nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die Braunkohleförderung in der Weimarer Republik einen enormen Aufschwung. Die Förderung stieg von 17,4 Millionen Tonnen im Jahr 1918 auf 48 Millionen Tonnen im Jahr 1929

Deutschland wurde zum weltweit größten Produzenten und Verbraucher von Braunkohle. Durch die Mechanisierung des Abbaus konnte auch bei einem ungünstigen Abraum-Kohle-Verhältnis wirtschaftlich gearbeitet werden.

1850
Vorgebirgszentrale 1914 (ab 1917 Goldenbergwerk)

Neues Zeitalter durch Industrialisierung

Mit der Industrialisierung zwischen 1850 und 1920 gewann die Braunkohle zunehmend an Bedeutung. Die Errichtung der ersten Kraftwerke – Herbertskaul (1892), Berggeist (1899) und Fortuna (1910) – markierte den Beginn eines neuen Energiezeitalters. Besonders entscheidend war die Übernahme des Kraftwerks Berggeist durch RWE im Jahr 1906. Damit begann eine über 100-jährige Verbindung zwischen dem Unternehmen und der Region. 

Das Kraftwerk Goldenberg (siehe Foto) (1912–1918) setzte neue Maßstäbe als erstes Großkraftwerk auf Braunkohlebasis mit einer Leistung von 90 Megawatt. Gleichzeitig siedelten sich energieintensive Industrien wie das Kalkstickstoffwerk Knapsack an.

1690

Förderung seit dem 17. Jahrhundert

Die Nutzung der Braunkohle im Rheinischen Revier begann bereits im späten 17. Jahrhundert. Durch den Engpass an Brennholz und Holzkohle stieg der Bedarf an Brennmaterial und in der Region begann der Abbau von oberflächennahem „Turf“. 

Kleinbauern und Tagelöhner betrieben anfangs einen oberflächennahen Abbau, bis sich im 18. und 19. Jahrhundert die ersten systematischen Gruben entwickelten. In der Ville bei Brühl und Frechen sowie in Lucherberg/Inden entstanden erste Förderstätten. Zu sehen ist die Grube Donatus in Erftstadt. Die Grube diente zur Versorgung der nahegelegenden Brikettfabrik. Heute befindet sich in der ehemaligen Braunkohleabbaufläche der Restsee Donatus.